Drei Synapten zu Ehren der Seligen Gisela
op. 39, 2009/10
I. Donau – aus dem Klosterfenster
II. Inn – eine Sommernacht
III. Ilz – ein Geheimnis
Für Orchester
Besetzung: 2.2.2.2. – 4.2.1.1., 3 Schlagzeuge, Harfe, Streicher
Dauer: 15 min.
Kompositionsauftrag der Stiftung art131, mit Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung
Uraufführung: 27. Juni 2010, Europäische Wochen Passau, im Rahmen des „Klasse Klassik“-Education Programms. Münchner Rundfunkorchester, Dirigent: Ulf Schirmer
Werknotiz
Die Komposition Drei Synapten zu Ehren der Seligen Gisela entstand 2010 für die Europäischen Wochen Passau als Auftragswerk der Stiftung art 31 mit Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung.
Die Selige Gisela verbrachte ihren Lebensabend im Kloster Niedernburg in Passau, wo sie als Äbtissin wirkte. Nach ihrem Tod um 1065 wurde sie dort beigesetzt. Ihr Grab befindet sich bis heute in der Klosterkirche Niedernburg, die ein zentraler Ort der Gisela-Verehrung ist. Damit ist Passau nicht nur biografisch, sondern auch memorial- und kultgeschichtlich eng mit der Seligen Gisela verbunden.
Die Komposition thematisiert die Bedeutung der Seligen Gisela anlässlich ihres 950. Todestages, den die Stadt Passau im Jahr 2010 beging, sowie das Zusammentreffen der drei Flüsse Donau, Inn und Ilz und ihr gemeinsames Weiterfließen. Synapten sind griechische Gebetsformen; die Flüsse werden als Träger historisch-religiöser Information verstanden. Fragen nach der Weitergabe von Information durch das Wasser und nach der verbindenden Kraft des Wassers bildeten zentrale Impulse für den kompositorischen Prozess und die Klangdramaturgie.
Das Werk ist für Schülerinnen und Schüler bayerischer Schulchöre und Schulorchester komponiert, die gemeinsam mit Mitgliedern des Münchner Rundfunkorchesters musizieren. Diese besondere Mischung der Klangkörper war Anlass und Inspiration für den Einsatz ausgewählter experimenteller Klangelemente innerhalb der Komposition.
Drei Synapten besteht aus drei dramaturgisch unterschiedlichen kurzen Sätzen, die nicht in klassischer Form miteinander verbunden sind, jedoch ausschließlich in ihrer festgelegten Abfolge aufgeführt werden. Sie lassen sich als drei Perspektiven auf einen gemeinsamen Zusammenhang verstehen. Im ersten Satz Donau – aus dem Klosterfenster verschmelzen Melodie und Rhythmus zu einer Einheit; im zweiten Satz Inn – eine Sommernacht werden musikalische Elemente wiederholt und verdichtet, sodass rituell anmutende Klangflächen entstehen; der dritte Satz Ilz’ Geheimnis ist der kürzeste und wirkt wie ein aphoristischer Abschlusssatz.
Pressestimmen
„Den zweiten Teil dominierte die griechische Komponistin Konstantia Gourzi (geb. 1962), deren Auftragswerk ‚Drei Synapten zu Ehren der Seligen Gisela‘ seine Uraufführung erlebte. Das stark auf momenthafte Klangeffekte abzielende Werk selbst entzieht sich durch seine avantgardistische Subjektivität weitgehend einer neutralen Würdigung. Seine Ausführung hingegen, an der nun auch die niederbayerischen Instrumentalisten mitwirkten, ließ keine Wünsche offen und bewies die unvoreingenommene Bereitschaft der jungen Musiker, sich unkonventionellen Herausforderungen zu stellen.“
neue musikzeitung, September 2010