Ny-él, Two Angels in the White Garden

Hommage à Claudio Abbado und Pierre Boulez

op. 65, 2015/16

I. Vertreibung
II. Exodus
III. Sehnsucht
IV. Der weiße Garten

Für Orchester
Besetzung: 2.2.2.2. – 4.3.2.1., 4 Schlagzeuge, Pauke, Harfe, Klavier, Streicher
Dauer: 17 min.

Kompositionsauftrag des Lucerne Festival
Uraufführung: 21. August 2016, Lucerne Festival. Orchester der Lucerne Festival Academy, Dirigentin: Konstantia Gourzi

Werknotiz

Ny-él für Orchester ist die fünfte Komposition einer Kompositions-Reihe in verschiedenen Besetzungen, die Engeln gewidmet sind. Engel, die als Bilder oder Skulpturen von befreundeten Künstlern entstanden sind, inspirierten mich, ihnen Klang zu geben und sie musikalisch lebendig darzustellen.

Die Skulptur des Klang-Engels Ny-él ist der doppelte Engel des Künstlers Alexander Polzin. Die Musik soll nicht die Skulptur interpretieren, sondern ihr klanglich nah stehen und mit ihr eine neue Verbindung schaffen. Jeder Klang-Engel bekommt einen Namen, der normalerweise nichts schon Existierendes bedeutet. Ich suche eine bestimmte Klang-Energie für die Komposition, inspiriert vom Bild oder der Skulptur, und diese führt mich zu den Namen der Engel-Kompositionen.

Ny-él besteht aus vier Miniaturen, vier dramaturgischen Konstellationen, mit der Intention, einen zeitlichen Ablauf, der auch übertragbar auf Lebensgeschichten ist, mittels starker Rhythmen und Melodien erlebbar werden zu lassen. Die Schlagzeug-Instrumente, Harfe und Klavier spielen im gesamten Stück eine zentrale klangliche Rolle. Der erste und dritte Satz haben ein schnelles Tempo, während der zweite und vierte Satz in langsamem Tempo gespielt werden. In einigen Passagen aller vier Sätze sollen die Streicher nicht nur vom Dirigenten abhängig sein, sondern die Möglichkeit haben, angegebene Elemente frei zu gestalten und neue Klänge zu produzieren. Durch diese Spontanreaktionen und improvisatorische Freiheit entsteht eine Offenheit, die sich dem Reiz des noch nicht Gehörten ausliefert.

Alexander Polzin, double angel, 2013, Foto: Norbert Banik; Konstantia Gourzi, Foto: Stefan Deuber

Pressestimmen

„Als Höhepunkt kündigte sich ein neues Werk Gourzis an mit dem Titel ‚Ny-él, Two Angels in the White Garden‘. Dieses ist Teil einer Engeln gewidmeten Kompositionsreihe der gebürtigen Griechin, die heute in München lebt. Bei der Uraufführung, die Gourzi selbst leitete, fielen archaische Rhythmen sowie sehnsuchtsvolle Bläsermelodien auf. Dazwischen schoben sich aber immer wieder störende Geräuschkulissen, bis das Orchester im letzten Satz einen eigentümlich schimmernden Klang erreichte.“

Basler Zeitung, 23. August 2016

„Die griechische Komponistin, Dirigentin und Professorin in München Konstantia Gourzi führt dann vor, wie man mit präziser Handführung Kompliziertes von Iannis Xenakis und Fröhlich-Folkloristisches des jungen György Ligeti dirigiert. Wenn Per Nørgårds ‚Voyage into the Golden Screen‘ gar kein Ende nehmen will, dann formt Gourzi mit ihren beiden Händen die versterbenden Töne, als würde sie Seifenblasen in Sicherheit bringen. Dafür ist sie umso entschlossener, wenn es um die Uraufführung ihres Auftragswerks ‚Ny-él. Two Angels in the White Garden‘ geht. Da tönt eine Viertelstunde gar nichts Esoterisches, trotz der Titelgebung, sondern eine vitale rhythmisch geprägte Musik, deren Themen durchaus auch filmtauglich wären – für den Alfred Hitchcock der Schwarz-Weiß-Jahre oder ein griechisches Drama.“

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 10. September 2016

„Ganz anders wiederum Konstantia Gourzi, die mit der Lucerne Festival Academy (LFA) konzertierte: Der Auftritt der gebürtigen Griechin, die in München lebt und lehrt, war programmatisch ein Höhepunkt. Überdies bestach ihre Leitung mit uneitler Sachlichkeit und Nüchternheit – keineswegs unterkühlt oder distanziert, sondern um ein ‚Musizieren auf Augenhöhe‘ bemüht, wie sie es als Assistentin von Abbado gelernt hatte. Davon profitierten vor allem ‚Le Sacrifice‘ von Iannis Xenakis und ‚Voyage into the Golden Screen‘ von Per Nørgård, die Gourzi mit einer eigenen Uraufführung koppelte: ‚Ny-él – Two Angels in the White Garden‘ op. 65. Das Werk ist Abbado und Boulez gewidmet. Orientalisch anmutende Melodien stoßen auf eruptives Schlagwerk.“

neue musikzeitung, September 2016

Hörbeispiel

Partitur

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2018-08-22T11:04:53+00:00