Mykene

7 Miniaturen

op. 17, 2002

I. Elektras Ängste
II. Orestes Rückkehr
III. Klytämnestras Grab
IV. Vollmond in Mykene
V. Die Tränen
VI. Verzweiflung
VII. Das Abendrot

Für Orchester
Besetzung: 2.2.2.2. – 4.3.2.1. Klavier, Harfe, 3 Schlagzeuge, Streicher
Dauer: 17 min.

Kompositionsauftrag des hr-Sinfonieorchester
Uraufführung: 21. September 2002, Frankfurt. hr-Sinfonieorchester, Dirigentin: Konstantia Gourzi

Werknotiz

Mykene ist meine erste Orchesterkomposition, inspiriert von einem besonderen Besuch des alten Orts Mykene in Griechenland, dessen archaische Energie mich sehr stark beeinflusst hat. Jede Miniatur ist einem Teil der Geschichte Klytämnestras und dem historischen Geschehen in Mykene gewidmet, die die Inspiration für diese Komposition ist.

Das gesamte Stück soll mit höchstmöglicher Intensität, wie klanglich aphoristische Gedankensplitter aufgeführt werden. Auch wenn beispielsweise ein Tanzrhythmus komponiert ist (wie 7/8, 12,/8, 13/8, 14/8), soll der Charakter der Interpretation intensiv und sostenuto gehalten werden.

In manchen Miniaturen haben bestimmte Instrumentengruppen die Aufgabe, rhythmische Elemente zu spielen, die in einem anderen unabhängigen Tempo als das übrige Orchester aufgeführt werden sollen. Für diese Stellen entscheidet der Dirigent, wann diese Gruppen beginnen sollen. Es ist ebenso wichtig, die vielseitigen rhythmischen Elemente im gesamten Orchesterklang so bestimmend einzubauen, sodass die Betonung oder Phrasierung jeder einzelnen Rhythmuslinie deutlich ausgeführt wird.

Alle sieben Miniaturen zusammen erzeugen eine dramaturgische Einheit und sollen als solche interpretiert werden. Zwischen den Miniaturen ist öfter attacca geschrieben: Der Nachklang jeder Miniatur soll als Spannung vom Dirigenten zwischen den jeweiligen Stücken nach Belieben gehalten werden. Sobald diese Spannung endet, setzt das nächste Stück fort; wie eine Geschichte, die in einem bestimmten Energiefluss weitererzählt werden soll.

In der ersten Miniatur Elektras Ängste spielen die Bläser und Streicher am Anfang ein Unisono und kreieren damit einen unruhigen, aber in ppp bewegten Klangteppich. Das Schlagwerk mit Klavier und Harfe sind die Protagonisten einer „Erzählung“, die nach kurzer Zeit Dialoge mit ausgewählten Streichern und Bläsern fortführen.

In der zweiten Miniatur Orestes Rückkehr ist der Orchesterrhythmus kompakter als im ersten Stück. Hier hat die 7/8-Melodie die Hauptrolle, die mit einer deutlichen Phrasierung gespielt werden soll, um ihre Intensität und Dichte zu zeigen. Alle anderen Instrumente, die diese Melodie nicht spielen, sollen fein und exakt den Hauptrhythmus halten.

In der dritten Miniatur Klytämnestras Grab gibt es zwar keine Taktzahlen, aber die gemeinsame Energie, die aus verschiedenen Instrumentengruppen kontrapunktisch erzeugt wird, soll zusammengehalten werden. Kleine Instrumentalgruppen sind so geteilt, dass sie kammermusikalisch, ohne die dauerhafte Führung des Dirigenten, zusammenspielen. Der Dirigent gibt lediglich die Einsätze für den Eintritt der jeweiligen Gruppe und dirigiert immer wieder die unterschiedlichen Gruppen.

In der vierten Miniatur Vollmond in Mykene beginnen die Holzbläser im eigenen Tempo die Figuren auf einem Schlagzeugrhythmus zu wiederholen, bis die Streicher die Hauptstimme übernehmen. Die Holzbläser pausieren bis zum Ende dieses Stückes und die Blechbläser schließen die Miniatur, als ob ihre melodiösen Akkorde ein Nachklang des musikalischen Geschehens sind.

In der fünften Miniatur die Tränen wird durch Bläser-Glissandi eine tragende Stimmung aufgebaut, die mit einer aphoristischen Aussage von tiefen Instrumenten ausklingen wird.

In der sechsten Miniatur Verzweiflung herrschen zwei Klangelemente: ein tänzerisches und ein massiver Blechbläser-Schlagzeug-Klang, der mit dramatischen Akkorden den Tanz immer wieder plötzlich unterbricht. Am Ende vereinen sich doch die beiden Elemente.

Die siebte Miniatur das Abendrot ist als ein Nachklang, als ein Abschluss des ganzen Stückes gedacht. Akkorde in unregelmäßigen Taktarten werden gespielt, bereiten damit einen unerwarteten und nachdenklichen Tutti-Abschluss.

Pressestimmen

„Eine Doppelrolle hatte die Griechin Konstantia Gourzi an diesem Abend übernommen: Mit eher verhaltener Gestik steuerte sie das Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt durch die nicht alltäglichen Klangwelten. Als Komponistin verknüpft sie in ‚Mykene‘, das an diesem Abend uraufgeführt wurde, in sieben deutlich differenzierten Miniaturen den antiken ‚Elektra‘-Stoff mit der Gegenwart und folkloristisch wirkender Rhythmik. Auffallend die weitgesponnene Melodie von Englischhorn, Fagott und Bässen wie auch das Klavier solo im ruhigen Sarabandenrhythmus.“

FAZ, 24. September 2002

„Vier intensive Klangschwaden zogen im Forum Neue Musik durch den HR-Sendesaal – präsentiert vom RSO Frankfurt, das in den Händen Konstantia Gourzis ein erlesener Flakon orchestraler Düfte war. Die 40-jährige griechische Dirigentin war selbst mit einem Werk vertreten, das im Kreise der Klangwolken-Quadriga den bildhaftesten Charakter hatte: ‚Mykene‘ (2002) waren auf Elektra-Mythos und heimatliche Folklore zielende Überblendungen.“

Frankfurter Rundschau, 23. September 2002

Hörbeispiel

Partitur

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