Gedichte zu Prometheus

op. 28, 2005

Gedicht Nr. 1
Gedicht Nr. 2
Gedicht Nr. 3
Gedicht Nr. 4

Für Orchester
Besetzung: 2.2.2.2. – 2.0.0.0., 2 Schlagzeuge, Streicher
Dauer: 17 min.

Kompositionsauftrag des Münchner Kammerorchesters, unterstützt vom Griechischen Presse- und Informationsbüro für Süddeutschland
Uraufführung: 19. Januar 2006, Prinzregententheater München. Münchner Kammerorchester, Dirigent: Christoph Poppen

Verlag: Musikproduktion Höflich München, Repertoire & Opera Explorer, Gourzi Edition

Werknotiz

Der Prometheus-Mythos ist verbunden mit dem Ringen um Erkenntnis. Das griechische Wort dafür ist Gnosis – eine Mischung aus Erkenntnis, Wahrheitssuche und Eingeweiht-Sein. Diese verschiedenen Blickwinkel helfen dabei, den Mythos neu sehen zu können. Für diese Komposition war es für mich reizvoll, mich mit der Frage der Tradition und unseren Wurzeln auseinander zu setzen: mich in ihnen zu erkennen und sie klanglich ins Heute zu übertragen.

Die vier Gedichte können zwischen einigen Stücken des Prometheus-Zyklus von Beethoven – wie sie bei der Uraufführung gespielt wurden – aber auch eigenständig, als eine vierteilige Komposition aufgeführt werden.

Eine wichtige dramaturgische Idee der Komposition ist es, in allen vier Gedichten eine scheinbare „Unruhe“ zu erzeugen, die unter anderem durch häufige Taktwechsel und Melodien hervorgerufen wird. So möchte ich den inneren Kampf, die unterschiedlichen Kräfte des Prometheus und das, was von Seiten der Götter auf ihn einwirkt, klanglich zum Ausdruck bringen.

Im Gedicht Nr. 1 erfolgen die Taktwechsel in einem tänzerisch schnellen Tempo und gleichzeitig ist ein Melodie-Dialog zwischen verschiedenen Instrumenten-Gruppen am auffälligsten. Mit plötzlichen dramatischen Akkorden wird dieser Dialog unterbrochen, der im Laufe des Stückes von feinen pianissimo Passagen übernommen wird und ausklingt.

Im Gedicht Nr. 2 finden die Taktwechsel weiterhin statt, aber in einem langsamen, cantabile und rubato-Tempo. Die Klarinette spielt, auf Tuttiklangflächen, eine Hauptmelodie und diese Stimmung steht für eine Weile im Vordergrund. Im weiteren Verlauf wird die Hauptmelodie von mehreren Instrumenten solistisch übernommen, so dass sie in einer Wiederholungsschleife zu wandern scheint. Das Gedicht endet in den letzten vier Takten mit einem Unisono-Klang, der als ein Kommentar zum vorherigen Geschehen gedacht ist.

Im Gedicht Nr. 3 haben die Streicher durchgehend eine starke dynamische, geräuschvolle und rhythmische Aufgabe, die nur an wenigen Stellen von allen anderen Gruppen „kommentiert“ und klanglich übernommen wird. Das Ende dieses Gedichts ist im Tutti furioso und dynamisch.

Das Gedicht Nr. 4 ist eine Mischung von Elementen der drei ersten Gedichte – als ob die scheinbare „Unruhe“ eine Lösung gefunden hat. In diesem Stück gibt es längere Passage im 2/4-Takt, jedoch mit starken, unterschiedlichen Rhythmen. Schließlich spielen der Konzertmeister gemeinsam mit dem Stimmführer der 2. Violinen und dem Klarinettisten abwechselnd eine Melodie als Dialog, als eine Antwort auf alles, was bisher erklungen ist. Das Stück und damit die ganze Komposition endet mit intensiven Tutti-Akkorden, die die Energie eines Endes und gleichzeitig eines Anfangs ausstrahlen.

© Norbert Banik

Pressestimmen

„Die Entdeckung des Abends war von Konstantia Gourzi. Die Griechin hat 2005 vier ‚Gedichte zu Prometheus‘ geschrieben. Gourzis Musik besticht sofort durch einen elektrisierenden Klang, der raffinierte Orchesterbehandlung mit elementarer rhythmischer Kraft und einer quasi-volksmusikhaften Melodik verbindet. Hier wurde etwas von der Kraft und Ursprünglichkeit des Mythos fühlbar.“

Hamburger Abendblatt, 15. Februar 2008

„Für Spannung sorgte dann wieder die Komponistin Konstantia Gourzi. Durchaus eigenwillig durchkreuzte sie Beethovens Ballett ‚Die Geschöpfe des Prometheus‘, konfrontierte vier seiner Sätze mit ihren Gedichten. Poppen konnte sich auf das an diesem Abend mit adäquaten Bläsern und Peter Sadlo am Schlagwerk bestens ausstaffierte Kammerorchester verlassen. Nahtlos wechselte es von der klassisch-beschwingten Transparenz (Nr. 3) oder dem dramatischen Auffahren (Nr. 9) zu der düsteren (Klarinetten- )Klage (Gedicht 2) oder dem exotisch-folkloristisch wirkenden Ausklang mit den in der Stille auspendelnden Glocken (Gedicht 4). Auch am Ende viel Applaus.“

Münchner Merkur, 10. April 2009

„Dazu nun hat die griechische Komponistin Konstantia Gourzi, Professorin an der Münchener Musikhochschule, vier Interludien verfasst, das sind Zwischenspiele, die rhythmisch ausgesprochen raffiniert gesetzt sind, die einen modernen Blickwinkel auf den aufmüpfigen Prometheus zulassen. Allzu fremd und entfernt von klassisch geprägten Hörgewohnheiten klang das allerdings nicht, dafür sehr farbig im Volkston. Eben noch im Beethoven-Modus, wird jetzt gezupft, auf Streichinstrumenten getrommelt, geklopft, gestrichen, geraunt. Das klingt exotisch, sehr nach Süden und lässt im Aufbegehren gegen die Götter weiten Raum für Gedankenspiele.“

Freie Presse Chemnitz, 20. September 2014

Hörbeispiel

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